12 - 14/9/2008

BRIEFMARKEN
WELTAUSSTELLUNG

zusammen mit internationaler Messe Sammler

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Aus der Geschichte der Ausstellungen PRAGA

(Übernommen aus dem Katalog der Internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1998, Autor. M. Langhammer. Für das Internet aktualisiert mit Genehmigung des Autoren V. Münzberger)

 

Derzeit wird die Briefmarkenweltausstellung PRAGA 2008 vorbereitet. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass die Veranstaltung von großen internationalen Ausstellungen in unserer Hauptstadt, deren lateinische Bezeichnung PRAGA allesamt in ihrem Namen trugen, bereits eine langjährige Tradition hat. Diese Ausstellungen waren stets eine gute Gelegenheit für Treffen und den Erfahrungsaustausch unter Sammlern vieler Länder, und zwar ohne Berücksichtigung dessen, welche politischen Regime hier gerade an der Macht waren. Sie beeinflussten gleichfalls auf bedeutende Weise auch das allgemeine Interesse an der Philatelie in Tschechien und hatten zweifelsohne auch ihren beträchtlichen Anteil an der Ausbildung weiterer Philatelisten der jungen Generation. Eine wichtige Absicht der Organisatoren der Ausstellung PRAGA 2008 besteht daher darin, derart an diese Tradition anzuknüpfen, dass sich auch die nun in Vorbereitung befindliche Ausstellung in allen Ehren in die Reihe ihrer Vorgängerinnen einfügt.

Unternehmen wir daher bei dieser Gelegenheit einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Ausstellung PRAGA 1938, die die erste große internationale Philatelie-Ausstellung in Prag war. Es gibt wohl nur noch wenige Zeitgenossen, die direkt an dieser Ausstellung teilgenommen haben. Auch die Erinnerungen an die nächste internationale Ausstellung PRAGA 1955, an die Weltausstellungen in den Jahren 1962, 1968, 1978 und 1988 und zu guter Letzt auch an die europäische Ausstellung PRAGA 1998 gehen langsam verloren und unterliegen der subjektiven Verzerrung. So hatten zum Beispiel die heute Sechzigjährigen zur Zeit der ersten Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1962 gerade mal die Grundschule absolviert.

Um unser Gedächtnis aufzufrischen, greifen wir also nach den "zeitgenössischen Quellen" – den Ausstellungskatalogen, Bulletins, Publikationen und Philateliezeitschriften, in denen wir nicht nur die grundlegenden Fakten über die Ausstellungen, Exponate und deren Bewertung, sondern auch Meinungen und Reaktionen offizieller Gäste und einfacher Besucher finden.

Logo - PRAGA 1938 Logo - PRAGA 1955 Logo - PRAGA 1962
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Logo - PRAGA 1998    Logo - PRAGA 2008

 


Logo - PRAGA 1938

PRAGA 1938

Die Internationale Briefmarkenausstellung PRAGA 1938 fand vom 26.6. bis zum 4.7. im Jahre des 20. Unabhängigkeitsjubiläums der Tschechoslowakei unter der Federführung des Präsidenten der Republik Dr. E. Beneš und unter der Schirmherrschaft der Internationalen Philatelieföderation (FIP) statt, wobei es sich auch um eine Zeit handelte, in der die Sicherheit unserer Republik bedroht war.

Im Ehrenvorsitz saßen die Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und des Senats, der Minister für Post- und Fernmeldewesen und der Außenminister, der Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag, elf weitere tschechoslowakische Repräsentanten und diplomatische Vertreter von vier Dutzend Ländern.

Das Ehrenkomitee der Ausstellung war sehr zahlreich. Die Liste der ausländischen Mitglieder ist auf fünf Seiten und die der tschechoslowakischen Mitglieder auf weiteren fünf Seiten des Ausstellungskatalogs aufgeführt.

Die Internationale Jury (damals nannte man sie "Richterkorps") hatte 35 Mitglieder. Unter ihnen finden wir auch so berühmte Namen wie L. Dubus, Anton Kumpf-Mikuli, A. Laszkiewicz, Hermann E. Sieger oder Prof. M. Wagner, die auch nach siebzig Jahren immer noch ein Begriff sind. An der eigentlichen Bewertung der Exponate beteiligten sich jedoch nur 25 anwesende Jurymitglieder (die anderen hatten sich nicht eingefunden).

Die Ausstellung fand an mehreren Orten in Prag statt. Das Hauptausstellungsgebäude war das sog. Nationalhaus in Prag - Vinohrady. Dort konnte man neben den Exponaten auch die Philateliebörse, die Postverwaltung und die Informationsbüros finden und vor dem Gebäude stand eine Autopost. Im Kino Minuta wurden Werbefilme mit der Thematik Philatelie gezeigt. Ein kleinerer Teil der Ausstellung und die Kongresse fanden im Feuerwehrhaus – Hasièský dùm (an der Ecke der Straßen Blanická und Øímská ulice) statt. Im damaligen Haus der Landwirtschaftlichen Aufklärung war die 2. internationale Ausstellung von Philatelieliteratur untergebracht. Dort wurde auch der Ausstellungsblock gedruckt und verkauft.

Picture of Block of Stamps for the PRAGA 1938 International Stamp Exhibition

J. Vondrouš, K. Seizinger: Block zur Internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1938 

 

Die Ausstellung wurde offiziell im Theater Divadlo na Vinohradech eröffnet. Im Sladkovský-Saal des Gemeindehauses fanden das internationale Treffen und die Börse der Briefmarkenhändler statt und dort wurde auch ein Bankett zu Ehren der FIP und der offiziellen Ausstellungsgäste veranstaltet. Für sie wurde auch ein reichhaltiges Programm mit einer ganzen Reihe von Ausflügen und Exkursionen vorbereitet. Die Ausstellungsexponate – es waren insgesamt 513 – waren in 19 Klassen unterteilt, die sich des Weiteren in Gruppen, Abteilungen und Teile aufgliederten. In der offiziellen Ausstellung der Posterverwaltungen waren 23 Postverwaltungen vertreten. Die größte Aufmerksamkeit wurde den künstlerischen Entwürfen in der tschechoslowakischen Ausstellung und der klassischen Seltenheit von Großbritannien zuteil. Außerhalb des Wettstreits wurden im Ehrensalon 13 Exponate ausgestellt und diese müssen für alle Besucher tatsächlich ein wahrer Augenschmaus gewesen sein. Es seien einige Exponate erwähnt: Schiffbriefe aus verschiedenen Teilen der Welt ab dem 18. Jahrhundert, Ballonpost aus der Zeit des französisch-deutschen Kriegs 1870-71, Mauritius (1847-59), See- und Militärbriefe (aus der Zeit vor den Briefmarken aus den britischen Kolonien) oder klassische Emissionen aus Großbritannien, Neuseeland, China, Argentinien oder dem Sudan.

In der sog. Ehrenstraße waren 10 Exponate zu sehen und offensichtlich waren auch diese etwas ganz Besonderes. Der Prager Sammler Adolf Passer stellte seltene Bögen türkischer Briefmarken und eine weitere Legende der Weltphilatelie, Théodore Champion aus Paris, Seltenheiten aus der ganzen Welt aus - deren Aufstellung im Katalog ganze sechs Seiten einnimmt.

Die Länder waren geographisch in Klassen und Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe gab es eine Abteilung mit allgemeinen, spezialisierten und Studiensammlungen.

Ihre eigene Klasse hatten auf der Ausstellung PRAGA 1938 die sog. Aerophilatelisten, wozu fast dreißig Exponate gehörten, von denen viele sicher äußerst interessant waren.

Unter der nicht ungewöhnlich klingenden Bezeichnung Sondermarken wurden Sammlungen, die unserer Sichtweise zufolge insbesondere zu den Motiv- und Themenmarken gehören (zum Beispiel Rotes Kreuz, Trauermarken, Sportmarken, Elefanten, Kunstgeschichte, Philatelieausstellungen), aber auch Exponate von Marken der örtlichen und privaten Postverwaltungen ausgestellt.

Ihre eigene Klasse hatten vier Exponate von Ganzsachen und den Vorgänger der heutigen Exponate der Postgeschichte finden wir in der Klasse mit der Bezeichnung Präphilateliebriefe und Stempelsammlung. In der Gruppe der jungen Philatelisten waren 16 Exponate ausgestellt.

Auch die Klasse der Philatelieliteratur war reich vertreten – unter anderem stellte Karel Basika die Werke Philateliekurs und Post Office Reform 1837-1937 aus.

Wie ist die größte, zwischen beiden Weltkriegen veranstaltete Philatelieausstellung bei uns ausgegangen? Die höchste Auszeichnung – den Ausstellungsgrandprix, der vom Präsidenten der Republik gestiftet wurde – erhielt W. S. Alfieri aus Alexandrien für das Exponat griechischer Briefmarken aus den Jahren 1861-86. Insgesamt wurden 45 Ehrenpreise, 12 große und 30 kleine Gold-, 53 große und 88 kleine Silber- und 87 Bronzemedaillen, 13 vergoldete und 25 silberne Plaketten verliehen. Die tschechoslowakischen Exponate erhielten 4 kleine Gold- und 19 große Silbermedaillen.

Und wie wurde die Ausstellung von der damaligen Philateliepresse bewertet? Die Zeitschrift Tribuna filatelistù geizte nicht mit Worten der Anerkennung, aber auch der Kritik. Ihr Lob galt den Organisatoren, den erstklassigen ausländischen Philatelisten (die sich darum verdient machten, dass sich auch in jener unsicheren Zeit in Prag eine ganze Reihe von wertvollen ausländischen Exponaten eingefunden hatte) und auch dem damaligen Ministerium für Post- und Fernmeldewesen, das die Ausstellung finanzierte.

Der Kritik unterlagen insbesondere der unpassende Termin (in Prag fand nämlich gerade das X. republikweite Treffen des Sportverbandes Sokol statt) und der Veranstaltungsort. Gegenüber den anderen internationalen Philatelieausstellungen jener Zeit waren in Prag relativ wenig ausländische Exponate vertreten – nur etwas mehr als 60 %, und kritisiert wurde auch der große Anteil tschechoslowakischer Jurymitglieder - 10. Von den tschechoslowakischen Exponaten sollen fast 50 nicht den Anforderungen an eine internationale Ausstellung entsprochen haben und das Organisationskomitee hätte sie zurückweisen müssen. Ingesamt gesehen gingen die inländischen Exponate in der Konkurrenz jedoch nicht unter.

Verbitterung rief die Entscheidung der FIP hervor, den Auftrag von 10 000 Ausstellungsbögen zurückzuziehen. Auch der Ausstellungskatalog wurde kritisiert, insbesondere wegen der falschen und nicht fachgerechten Übersetzungen bei den Beschreibungen der ausländischen Exponate.

Picture-postcard for the PRAGA 1938 International Stamp Exhibition

Postkarte mit Werbung für die Internationale Briefmarkenausstellung PRAGA 1938 

 

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Logo - PRAGA 1955PRAGA 1955

Die erste nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete Internationale Briefmarkenausstellung PRAGA 1955 fand im Jahre des 10-jährigen Jubiläums der Befreiung vom 10. bis zum 25.9. unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Antonín Zápotocký und mit Unterstützung der FIP statt.

Das Motto der Ausstellung war "Die Internationale Briefmarkenausstellung trägt zur Völkerverständigung und zur Festigung des Friedens bei". 

Picture of Block for the PRAGA 1955 International Stamp Exhibition

V. Stretti, P. Sukdolák, J. Švengsbír: Block zur internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1955 

 

Die Ausstellung fand an zwei, voneinander nicht allzu weit entfernten Orten statt – auf der Prager Slawischen Insel, wo die Exponate der Philatelisten ausgestellt waren, und im Ausstellungssaal Mánes, wo man die Exponate der offiziellen Klasse bewundern konnte (23 Postverwaltungen). Im Ehrenkomitee waren 18 ausländische Philatelisten mit L. Berthelot an der Spitze und mehr als sechs Dutzend weiterer Philatelisten vertreten.

Die internationale Jury hatte 18 Mitglieder, davon 7 aus der Tschechoslowakei. An der Spitze der Jury stand der Vorsitzende der FIP, L. Berthelot, Ehrenpräsident war Ing. K. Ptaèovský.

Auch die PRAGA 1955 hatte ein reichhaltiges Begleitprogramm, einschließlich der feierlichen Aufführung von Smetanas Libussa im Nationaltheater. Zu den Attraktionen der Ausstellung gehörten auch Fahrten mit der historischen Postkutsche durch Prag.

Ein Wettbewerbsexponat konnte (bis auf Ausnahmen) den Verfügungen zufolge maximal 5 Ausstellungsplätze belegen (jeweils zehn Albenblätter).

Außerhalb des Wettbewerbs wurden 9 Exponate insbesondere von den Jurymitgliedern ausgestellt. In der nationalen Klasse wetteiferten 20 Exponate. Die restlichen Exponate waren nach Territorien und Themen in Wettbewerbsklassen unterteilt. Auf der Ausstellung waren 320 Exponate zu sehen, von denen ungefähr ein Drittel aus dem Ausland stammte (aus 16 Ländern). Die meisten Exponate waren Themen orientiert (mehr als ein Hundert), der durchschnittliche Umfang betrug jedoch nur zwei Flächen. In der Klasse der Philateliebesonderheiten wurden Briefe und Stempel aus der Zeit vor den Briefmarken, philatelistische Besonderheiten, Marken von privaten und örtlichen Postverwaltungen, Ganzsachen, Neudrucke und Fälschungen zum Schaden der Post ausgestellt.

Die internationale Ausstellung PRAGA 1955 übertraf alle Erwartungen – sie wurde von 102 400 Personen besucht. Beide Hauptpreise blieben in der Tschechoslowakei. Der internationale Grandprix, der vom Präsidenten der Republik gestiftet wird, wurde Jaroslav Kovaøík für sein Exponat Briefmarken aus Österreich aus den Jahren 1850 - 1918 verliehen und der nationale Grandprix ging an Jan Mròák. Noch weitere 8 Exponate erhielten eine Goldmedaille (davon 5 aus der Tschechoslowakei): es handelte sich durchweg um Exponate klassischer Briefmarken, bzw. um Marken aus der Tschechoslowakei vor dem Krieg und um Exponate der Aerophilatelie.

Im Verlaufe der Ausstellung PRAGA 1955 fand eine ganze Reihe von Verhandlungen mit den leitenden Funktionären der FIP statt, die darauf ausgerichtet waren, dass in Prag die erste Briefmarkenweltausstellung veranstaltet wird. Von den nachfolgenden Kongressen der FIP wurde diese Absicht dann offiziell bestätigt.

Picture of Stationery envelope for advertising the PRAGA 1955 International Stamp Exhibition

J. Švengsbír: Ganzsachenumschlag zur Werbung für die Internationale Briefmarkenausstellung PRAGA 1955 

 

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Logo - PRAGA 1962

PRAGA 1962

Die erste Briefmarkenweltausstellung - PRAGA 1962 - fand im Jahre des 75. Jubiläums der organisierten Philatelie in der Tschechoslowakei dem Motto "Für Völkerfreundschaft und die Festigung des Friedens in der Welt" vom 18.8. bis zum 2. 9. 1962 auf dem Prager Ausstellungsgelände (damals Kultur- und Erholungspark Julius Fuèík) - im Industriepalais (Kongresspalast) und im damals fast neuen Brüsseler Pavillon statt.

Picture of Postage Stamp for the PRAGA 1962 World Stamp Exhibition

M. Hegar, J. Mráèek: Briefmarke zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1962

 

Die Ausstellung wurde auf Auftrag der FIP wiederum unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Antonín Novotný veranstaltet, der die Ausstellung an der Spitze der offiziellen Delegation eröffnete. Im Augenblick der feierlichen Eröffnung erhoben sich fünf Tausend Tauben in die Luft, die auf einer speziellen Ganzsache (Pigeongramm) eine Friedensbotschaft mit sich trugen.

Das Ausstellungskomitee, das vom stellvertretenden Minister für Verkehr und Telekommunikation Juraj Maòák geleitet wurde, hatte 120 Mitglieder. Die architektonische Vorbereitung wurde von den Gestaltern der erfolgreichen tschechoslowakischen Exposition auf der Weltausstellung EXPO 1958 in Brüssel übernommen.

Auf der Ausstellung gab es offizielle Expositionen von 64 Postverwaltungen und es nahmen Philatelisten aus 85 Ländern der Welt teil. Der Gesamtumfang der Ausstellung betrug 6500 Rahmen. Damit das Ergebnis der Philatelistentätigkeit in den einzelnen Ländern besser gezeigt werden konnte, wurde auf der Ausstellung PRAGA 1962 die traditionelle Teilung der Exponate in Klassen nicht beibehalten. Die Exponate wurden ohne Berücksichtigung des Inhaltes der Exponate nach den Ländern der Aussteller gegliedert. Die einzelnen Staaten bildeten somit im Rahmen der Weltausstellung ihre "eigenen Expositionen".

Die Entwicklung des Postwesens ab dem 16. Jahrhundert wurde durch die Ausstellung der Postbetriebe, Postuniformen, der Instrumente und Anlagen von Postämtern aus dem Postmuseum belegt.

Auch die Ausstellung PRAGA 1962 hatte ein sehr reichhaltiges Begleitprogramm. Auf dem Ausstellungsgelände war auch für die nicht der Philatelie verbundenen Besucher eine ganze Reihe von Attraktionen und Unterhaltungsveranstaltungen vorbereitet. Unter den philatelistischen Attraktionen wurde der Postkutschen- und Hubschrauberpost besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Am 19. und 20. August fand eine Konferenz der Redakteure von sich mit Philatelie befassenden Presseerzeugnissen unter Teilnahme von 53 Redakteuren aus 15 Ländern Europas, Übersee und aus der Tschechoslowakei statt. Zum Abschluss dieser Konferenz wurde die Satzung des Weltverbandes der Autoren und Fachjournalisten in der Philatelie (AIJP) verabschiedet. Zum Vorsitzenden wurde P. Seguy aus der BRD gewählt.

Am 30. August war der Tag der Jugend und am letzten Ausstellungstag fand eine Podiumsdiskussion von Philatelisten, die von Verbänden aus der gesamten Republik delegiert worden waren, mit den leitenden Funktionären der damaligen Zentrale statt.

Zum Abschluss der Veranstaltung (30. 8. - 1. 9.) wurde ein Kongress der FIP veranstaltet und am 1. September wurde der FIP-Tag begangen.

Picture of Postage Stamp issued for the FIP congress

 J. Liesler, B. Housa: Briefmarke zum FIP-Kongress

 

Die Ausstellungsexponate wurden von der 36-köpfigen Jury unter der Federführung von Lucien Berthelot bewertet. Sekretär war Ing. Ladislav Dvoøáèek. In der Jury waren 24 Mitglieder aus dem Ausland vertreten (gegenüber der ursprünglichen Zusammensetzung der Jury hat sich ein Mitglied nicht eingefunden). Die Jury arbeitete zehn Tage und neben den ausgestellten Exponaten musste sie auch das in den Tresoren verstaute Material in Augenschein nehmen.

Der vom Präsidenten der ÈSSR gestiftete Ehrenpreis wurde der offiziellen Exposition der UdSSR verliehen. Die Jury erteilte den internationalen Grandprix und die Goldmedaille an P. J. Pannetier aus Frankreich, den nationalen Grandprix und die Goldmedaille an P. Zajíèek für sein Exponat Die Post auf unserem Gebiet von 1780 bis 1910. Den Sonderpreis für das beste Exponat der von einem ausländischen Sammler ausgestellten tschechoslowakischen Briefmarken erhielt zusammen mit der Silbermedaille der bekannte Sammler aus den USA J. J. Verner. Insgesamt wurden 933 Medaillen, Plaketten und Diplome verliehen. Von den 14 Goldmedaillen gingen vier an tschechoslowakische Aussteller (P. Zajíèek, Dr. S. Zrubec, Ing. J. Karásek und Z. Kvasnièka).

Die Weltausstellung PRAGA 1962 wurde nicht nur in der Zeitschrift Filatelie, in den Bulletins und der Presse, sondern auch in Rundfunksendungen in zehn Sprachen beworben. Bestandteil war auch ein mit wertvollen Preisen dotiertes Gewinnspiel für die Hörer aus dem Ausland.

icture of Postage Stamp for the PRAGA 1962 World Stamp Exhibition

C. Bouda, L. Jirka: Briefmarke zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1962 

 

Ein Wettbewerb wurde auch für junge Philatelisten organisiert und wiederum in einem Gewinnspiel konnte man Fotografien mit der Philateliethematik einsenden.

Dank der Präsenz vieler attraktiver Exponate einschließlich der populären Mauritius-Briefmarken oder attraktiver neuer Briefmarken mit sowjetischen Kosmonauten wurde die Ausstellung zum Mittelpunkt des Interesses auch der sich nicht der Philatelie widmenden Öffentlichkeit. An den Werktagen überstieg die Besucheranzahl zehn Tausend und an den Wochenenden mussten die Eingänge auf Grund der Überfüllung der Säle geschlossen werden. Insgesamt wurde die Ausstellung von ungefähr 283 000 Personen besucht.

Damit es nicht nur beim Lob bleibt, sei daran erinnert, dass die unzureichende Katalogauflage kritisiert wurde, die dem Interesse der Besucher ganz und gar nicht angemessen war – und sicherlich nicht nur wegen des eingefügten schwarzen Probedrucks der Aerobriefmarke von Cyril Bouda.

 

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Logo - PRAGA 1968

 

 

 PRAGA 1968

Die nächste Briefmarkenweltausstellung in Prag fand nach nur sechs Jahren – vom 22. 6. bis zum 7. 7. 1968 - statt. Sie war Bestandteil der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Eigenständigkeit der Tschechoslowakei und zum 50-jährigen Jubiläum der Herausgabe der ersten tschechoslowakischen Briefmarken. Motto der Ausstellung war: "Philatelie – Welt der Erkenntnis und des Friedens". Die Ausstellung fand unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Ludvík Svoboda, der sie auch eröffnete, und unter dem Patronat der FIP statt.

 

Picture of Stamp for the PRAGA 1968 World Stamp Exhibition

J. Lukavský, J. Herèík: Briefmarke zur Internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1968 

 

An der Spitze des Präsidiums der Ausstellung und der internationalen Jury stand der Vorsitzende der FÈSF Ing. Ladislav Dvoøáèek.

Man hatte von der Konzeption der Ausstellung PRAGA 1962 mit den "Nationalpavillons" abgelassen. Die Exponate wurden traditionell in Klassen aufgeteilt.

Einen besonderen Platz nahm im Rahmen der Ausstellung die Galerie der tschechoslowakischen Gestalter von Briefmarken ein.

Der Hauptteil der Wettbewerbsexponate wurde auf dem Ausstellungsgelände im Industriepalast (Kongresspalast des Parks für Kultur und Erholung Julius Fuèík) ausgestellt, weitere Exponate konnte man in der Sporthalle sehen und unter freiem Himmel waren einige Stände montiert worden. Die offiziellen Ausstellungen der Postverwaltungen waren im Palais U  Hybernù zu bewundern.

Picture of Stamp for the PRAGA 1968 World Stamp Exhibition

J. Liesler, J. Schmidt: Briefmarke zur Internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1968

 

Im mittleren Teil des Industriepalais waren Spitzenexponate der Ehrenklasse und des Ehrenhofs ausgestellt. In der Sporthalle befand sich auch die Ausstellung Post gestern und heute.

Neben den gewöhnlichen Postschaltern und neben dem Sondertransport der Post mit Ballons (auf dem Letná-Plateau wurden sie von lebenden Legenden gestartet – wie General Umberto Nobile und František Bìhounek) oder Postkutschen gab auf der Ausstellung auch die historische italienische Post zu sehen, die selbstverständlich auch ihre Sonderstempel anbot.

Die Aufmerksamkeit der Philatelisten und der nicht diesem Bereich verbundenen Besucher wurde insbesondere den populären attraktiven Briefmarken zuteil. Man konnte zwar keine Exemplare aus der königlichen Sammlung Großbritanniens beschaffen, es fehlte aber nicht die Sammlung der legendären Mauritius und auch die berühmtesten tschechoslowakischen Raritäten konnte man bestaunen, wie der umgekehrte Umdruck Tschechoslowakische Post 1919 auf der Vierkronenmarke auf gefasertem Papier oder das Portoprovisorium 50/50. Diese beiden Marken waren auch auf der Eintrittskarte der Ausstellung reproduziert worden und somit hat sie sich jeder Besucher, zumindest in dieser Gestalt, mit nach Hause nehmen können. Der Umstand, dass sich lange Schlangen bildeten, um die wahrhaften Raritäten mit eigenen Augen zu sehen, muss wohl kaum erwähnt werden.

Im sog. Ehrenhof konnte man nicht nur seltene, insbesondere klassische Marken, aber auch vereinzelte Ganzstücke bewundern – einschließlich von zum Beispiel Briefen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, Schiff- und die ersten Ballonsendungen.

Auch unter den weiteren Exponaten fand sicherlich jeder etwas für seinen Geschmack. Die Philatelisten fanden das, was sie selbst sammelten oder wofür sie sich interessierten. Aber auch die Laien blieben zum Beispiel vor dem Exponat mit der verlockenden Bezeichnung Spionage und Propaganda in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs oder vor einer Schachtel, die genau eine Million unserer gewöhnlichsten Marken fasste, stehen.

Picture of FDC with Stamp for the PRAGA 1968 World Stamp Exhibition

Nach dem Selbstporträt Henri Rousseau, J. Švengsbír: FDC mit der Briefmarke zur Internationalen Briefmarkenausstellung PRAGA 1968

 

PRAGA 1968 war die größte Philatelieausstellung in der bisherigen Geschichte. In der offiziellen Klasse waren Exponate von 150 Postverwaltungen ausgestellt. Die Ausstellung hatte nahezu 10 000 Ausstellungsflächen und es war also zeitlich recht anspruchsvoll, alles wenigstens flüchtig in Augenschein zu nehmen.

Auch die Besucheranzahl war Rekord verdächtig – während der 16 Tage kamen 345 000 Personen, davon stammten 60 000 aus dem Ausland. Die Ausstellungsjury hatte 55 Mitglieder aus 23 Ländern der Welt (einschließlich Beobachter), davon waren 14 aus der Tschechoslowakei. Das war die größte Anzahl in der bisherigen Geschichte der Briefmarkenausstellung. Viele Mitglieder der Jury hatten bereits eine ganze Reihe von internationalen und Weltausstellungen absolviert. Während der fünf Tage mussten sie in gerechter Weise über die Erteilung der Ausstellungsmedaillen entscheiden. Ein trauriges Ereignis war das Ableben des Jurymitglieds Jan Mròák, der gerade am Eröffnungstag der Ausstellung verstarb.

Die Jury erteilte 962 Medaillen und Diplome in den Wettbewerbsklassen, davon 66 Goldmedaillen. Weitere 209 Exponate wurden außerhalb des Wettstreits ausgestellt.

Den internationalen Grandprix, der vom Vorsitzenden der Nationalversammlung gestiftet wurde, erhielt Horst Knapp aus der BRD für sein Studienexponat klassischer Marken aus Sachsen. Der nationale Grandprix, der vom Regierungsvorsitzenden der ÈSSR gestiftet wurde, ging an das Exponat von Z. Kvasnièka. Den Ehrenpreis, der von Präsidenten der Republik gestiftet wurde, erhielt Pietro Provera aus Italien für die Briefmarken aus dem alten Österreich und dem Gebiet Lombardei-Venedig.

Im reichhaltigen Begleitprogramm der Ausstellung fanden auch Fachseminare, Beratungen, das Aktiv der leitenden Verbände junger Philatelisten und eine Tagung des AIEP ihren Platz und ihre Zeit. Zum Abschluss fand wiederum ein FIP-Kongress statt.

Es wurden erneut viele Worte des Lobs für die Veranstalter und Organisatoren der Ausstellung ausgesprochen und niedergeschrieben.

 

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Logo - PRAGA 1978PRAGA 1978

Die Ausstellung PRAGA 1978 fand vom 8. bis zum 17. 9. 1978 statt. Das Motto war gegenüber der vorherigen Ausstellung erweitert worden: "Briefmarken und Philatelie - Welt der Erkenntnis und des Friedens". Ein jeder Ausstellungstag hatte seinen eigenen Namen und Charakter.

 

Picture of Postal uniforms – Postage Stamp for the PRAGA 1978 World Stamp Exhibition

 K. Toman, J. Herèík: Postuniformen – Briefmarke zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1978

 

Neben den bereits traditionellen Orten – Ausstellungsgelände (Industriepalais und Brüsseler Pavillon) und Ausstellungspalast U  Hybernù – war ein Sonderteil der Ausstellung Kunst und Briefmarke in der sog. Reitschule auf der Prager Burg untergebracht. Dort konnten die Besucher bis Oktober die Originale von Kunstwerken mit deren Transkription auf Briefmarken vergleichen.

Im Ausstellungspalais U  Hybernù fanden wiederum die Exponate der Postverwaltungen „ihr Heim“. Der Brüsseler Pavillon beherbergte neben den Postschaltern und dem POFIS-Verkaufsstand auch Gesprächsrunden mit den Gestaltern der Briefmarken, Autogrammstunden und Filmdarbietungen.

Bestsandteil der Ausstellung waren wiederum zahlreiche Begleitveranstaltungen. Die Post wurde mit Hubschraubern und Ballons transportiert. Auf den Fachseminaren zu den einzelnen Ausstellungstagen traten auch viele ausländische Philatelisten auf.

Picture of Airmail stationery cover – balloons from Tábor for the PRAGA 1978 World Stamp Exhibition

I. Strnad: Aeroganzsachenumschlag – Ballons aus Tábor zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1978

 

Vor der Eröffnung der Ausstellung fand der 47. FIP-Kongress statt, der Jacques Stibbe aus Belgien in seiner Funktion als neuen Vorsitzenden bestätigte.

Gegenüber den knapp Tausend Stück auf der vorhergehenden Ausstellung PRAGA 1968 waren auf der PRAGA 1978 stattliche 1405 Exponate ausgestellt (einschließlich 250 Literaturexponate). Die Rekordanzahl war jedoch von Anfang an Absicht der Veranstalter. Wenn wir die 143 offiziellen Exponate der Postverwaltungen hinzuzählen, dann erreichte die Gesamtanzahl anderthalb Tausend.

Im Ehrenhof trafen wiederum die besten Exponate der Philateliespitzen der Welt zusammen, die mit vielen Medaillen geehrt wurden. Bei diesen Exponaten dominierte natürlich das klassische Material.

Es fehlten selbstverständlich auch die legendären "Mauritius-Marken" nicht. Im Ehrenhof konnte man auch tschechoslowakische Marken in den Exponaten von Zdenìk Kvasnièka oder James Matejka bewundern. Es fehlten auch die "gekrönten Aussteller" nicht – es waren Exponate aus der Sammlung der britischen Königin und des Fürsten von Monaco ausgestellt.

Die Philatelisten und Laien gaben sich sicherlich auch ein Stelldichein beim ungewöhnlichen Exponat der kosmischen Post. Der erste tschechoslowakische Kosmonaut Vladimír Remek hatte direkt an die Ausstellung PRAGA 1978 einen Brief gesandt. Mit seinem sowjetischen Partner Gubarev gehörte er auch zu den "prominentesten" Ausstellungsbesuchern.

Viele Besucher aus den Reihen der sich nicht mit Philatelie beschäftigenden Personen wurden wohl sicherlich von der Möglichkeit angezogen, mit eigenen Augen das Legenden umwobene Weltunikat - die Ein-Cent-Marke aus British Guayana - zu sehen. Deren Reproduktion konnten sich alle Besucher mit nach Hause nehmen. Sie war nämlich auf der Eintrittskarte abgedruckt.

Picture of Old Town Astronomical Clock in Prague – Block of stamps for the PRAGA 1978 World Stamp Exhibition

A. Podzemná, M. Ondráèek: Astronomische Uhr auf dem Altstädter Ring in Prag – Block zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1978

  

Die anspruchsvolle Qualifikationsauswahl absolvierten 137 Exponate der tschechoslowakischen, in die Wettbewerbsklassen eingegliederten Philatelisten. Außerdem wurden fünf Dutzend tschechoslowakischer Exponate außerhalb des Wettbewerbs ausgestellt. Ungewöhnlich und zurecht Aufmerksamkeit erregend war das Kollektivexponat außerhalb des Wettbewerbs, das Philateliematerialien aus der Tschechoslowakei und tschechoslowakische Briefmarken umfasste. Sein Umfang betrug bemerkenswerte 170 Ausstellungsflächen. Daran beteiligten sich 18 Philatelisten mit Exponaten aus ihren Sammlungen. In diesem Exponat befanden sich Seltenheiten, die woanders nie zusammen zu bewundern waren.

Einige ausländische Philatelisten sandten mehrere Exponate an die Ausstellung. Den Rekord hielt in diesem Sinne die Beteiligung von zwei Philatelisten: Jean Poulie stellte in verschiedenen Ausstellungsklassen 14 Exponate mit dem Gesamtumfang von 230 Flächen aus und E. Martin de Bustamente hatte die gleiche Anzahl von Exponaten auf 85 Flächen.

In Anbetracht der großen Menge der zu bewertenden Exponate war die Jury auch mit einer Rekordzahl von Mitgliedern bestückt. Unter den 75 Mitgliedern der internationalen Jury aus 29 Ländern waren 5 Ehrenmitglieder und 10 Beobachter. Für die Bewertung der Exponate hatten sie sechs Tage vorbehalten. An der Spitze der Jury stand wiederum der Vorsitzende des Ausstellungspräsidiums Ing. Ladislav Dvoøáèek.

Die höchste Auszeichnung für ein Wettbewerbsexponat – den Ehrengrandprix der FIP, der vom Präsidenten der Republik gestiftet wird – erhielt das Exponat der Hawaii-Briefmarken vom japanischen Philatelisten R. Ishikawa, das zahlreiche Unikate umfasste. Den internationalen Grandprix erhielt G. Barcella aus Italien für sein Studienexponat von Briefmarken des altitalienischen Staates Romagna. Der nationale Grandprix ging an Max Mahr aus der BRD für sein Exponat tschechoslowakischer Briefmarken. Große Goldmedaillen erhielten insgesamt 40 Aussteller, was bis zu jener Zeit die höchste Anzahl in der Geschichte der internationalen und Weltausstellungen war.

Von den tschechoslowakischen Ausstellern war V. Kováø am erfolgreichsten (Studienexponat von tschechoslowakischen Marken, insbesondere Überdruck der Tschechoslowakischen Post 1919), der die Große Goldmedaille und einen Sachpreis gewann. Weitere 11 tschechoslowakische Sammler erhielten ebenfalls eine Goldmedaille. Es ging jedoch keine einzige Bronzemedaille an ein tschechoslowakisches Exponat; auch dies zeugt von den großen Ansprüchen an die Auswahl.

Zum ersten Mal wurden von der Sonderjury auch die Exponate der Postverwaltungen bewertet. Den offiziellen Grandprix, der vom Regierungsvorsitzenden der ÈSSR gestiftet wurde, erhielt das Föderalministerium für Telekommunikation der ÈSSR. Preise erhielten auch die Postverwaltungen aus Bulgarien, Frankreich, Japan, der DDR, Finnland, Österreich, Griechenland und Schweden.

Auch die Besucherzahl war wiederum hoch - 335 800 Personen, davon ungefähr 50 000 aus dem Ausland.

 


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Logo - PRAGA 1988

PRAGA 1988

Die Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1988 fand vom 26. 8. bis zum 4. 9. 1988 wiederum unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Gustáv Husák (der die Ausstellung ebenfalls eröffnete) und der FIP statt. Es handelt sich um die letzte Weltausstellung, die auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei und der heutigen Tschechischen Republik veranstaltet wurde. Sie fand an den "traditionellen Orten" – auf dem Ausstellungsgelände im Industriepalais (Kongresspalast), im Brüsseler Pavillon und im Eisstadion (Themenexponate) und ebenfalls im Palais U  Hybernù, im Postmuseum, im Vávra-Haus und in der Reitschule auf der Prager Burg statt (Ausstellung von Bildern und Briefmarken zum Thema Kunst und Briefmarken). An der Eröffnung der Ausstellung nahm auch der Generaldirektor des Internationalen Büros der Weltpostunion A.C. Botto de Barros teil.

Picture of Block of stamps for the PRAGA 1988 World Stamp Exhibition and 60th Anniversary of FIP

V. Kováøík, J. Herèík: Block zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1988 und 60 Jahre FIP

 

Die Ausstellung wurde von über zweihundert Tausend Personen besucht, von denen ein Jeder etwas Interessantes finden konnte. Für eine ganze Reihe von Besuchern war die Ausstellung ein recht erschöpfendes Erlebnis – und zwar nicht nur in Anbetracht des großen Umfangs und der weiten Entfernungen zwischen den einzelnen Ausstellungsobjekten, sondern wohl auch aus dem Grunde, dass der Kupon auf der Eintrittskarte jeweils nur zu einem Zugang in ein jedes Objekt berechtigte, wobei es in den meisten von ihnen nicht genügend angemessenen Raum zur notwendigen Erholung und keine ausreichenden Imbissmöglichkeiten gab.

Das Motto, das die Bemühung prädestinierte, die maximale Anzahl von verschiedenen Exponaten aus der Sicht der territorialen Ausrichtung, der Postgeschichte und aus allen Themenbereichen anzusammeln, war Diversifikation. Die territorialen Exponate stellten zum Beispiel 116 Briefmarkenländer und -territorien vor und in der Klasse der Themenphilatelie waren über 90 verschiedene Themen vertreten. Von grundlegender Bedeutung war neben der Diversifikation selbstverständlich auch der Anspruch an ein hohes philatelistisches Niveau der angenommenen Exponate. Die Bewertung der Exponate fand nach der damals neuen verbindlichen General- und Fachordnung der FIP für die Exponatbewertung statt.

Auf der Ausstellung PRAGA 1988 wurden in den Wettbewerbsklassen insgesamt 928 Exponate bewertet (am meisten in der Klasse der sog. Territorialphilatelie - 239). In der Klasse Literatur wurden 177 Titel ausgewertet. Auf der Ausstellung wurden Exponate aus 55 Ländern ausgestellt. Die meisten Exponate stammten aus der BRD - 106, das waren mehr als aus der Tschechoslowakei, von wo es 84 zu sehen gab. In den außerhalb des Wettbewerbs stehenden Klassen waren 47 Exponate ausgestellt. Insgesamt stammten an die 10 % der Exponate aus der Tschechoslowakei.

Die Exponate wurden von der internationalen Jury bewertet, die aus 53 Mitgliedern und 13 Beobachtern aus 36 Mitgliedsländern der FIP bestand. Aus der Tschechoslowakei waren 12 Mitglieder in der Jury und 1 Beobachter vertreten. An der Spitze der Jury stand wiederum Ing. Ladislav Dvoøáèek.

Den Ehrengrandprix, der vom Präsidenten der Republik gestiftet wurde, bekam A. Fillinger aus Frankreich für sein Exponat Die Französische Armee in der Zeit von Ludwig XIV bis Karl X. Der internationale Grandprix ging an Z. Mikulski aus der Schweiz für das Exponat Russland, UdSSR 1918 - 1938 und Polen aus den Jahren 1858 – 1870. Der nationale Grandprix ging an F. W. Hefer aus der BRD für Tschechoslowakei 1918 - 1939.

Die Aufmerksamkeit der Laienbesucher zogen wiederum insbesondere populäre und von den Medien popularisierte Marken, d.h. die legendären "Mauritius-Marken" (aus der Sammlung von H. Schnabel aus der BRD) oder die Sammlung der Olympiaphilatelie des Präsidenten des Internationalen Olympiakomitees Juan Antonio Samaranch auf sich, obwohl dieser nicht gerade die beste Auswahl aus seiner Sammlung zugesandt hatte, die in Soul auf der Ausstellung Olymphilex ausgestellt gewesen war.

Picture of Memorial of the National Literature in Prague - Postage Stamp for the PRAGA 1988 World Stamp Exhibition

J. Liesler, J. Herèík: Denkmal des nationalen Schrifttums in Prag – Briefmarke zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1988

 

Im Kongresspalast wurden auch ein Exponat, das an die 100 Jahre der organisierten Philatelie bei uns erinnerte, und die sog. Philatelieetüden ausgestellt, wobei es sich um nicht dem Wettbewerb unterstehende Exponate handelte, die neue Richtungen und Bereiche in der Philatelie aufzeigten und propagierten.

Auf der Ausstellung konnte man auch (für tschechoslowakische Kronen!) UNO-Briefmarken, oder auch Marken aus Finnland und den Aland-Inseln kaufen. Auf ein ähnliches Interesse der Besucher stieß der Verkauf der 100-Kronen-Silber-Gedenkmünze, die zu Ehren der Ausstellung herausgegeben worden war.

An der Ausstellung beteiligten sich in bedeutendem Maße mit ihren Exponaten selbstverständlich auch die tschechoslowakische Postverwaltung und das Postmuseum. Die Expositionen der ausländischen Postverwaltungen, der UNO, der Weltpostunion und der Postmuseen befanden sich im Ausstellungspalast U  Hybernù.

Das Programm der Ausstellung war zeitlich sehr detailliert geplant und umfasste neben den offiziellen Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen auf dem Ausstellungsgelände, auch Filmprojektionen, Diskussionen über Briefmarken und deren Gestaltung, Autogrammstunden mit den Gestaltern von Briefmarken und ebenfalls eine internationale Versteigerung von POFIS-Marken im Kongresszentrum (damals Kulturpalast). Bestandteil des fachlichen Begleitprogramms der Ausstellung war unter anderem ein internationales Seminar zu praktischen und theoretischen Fragen des Sammelns von tschechoslowakischen Marken, an dem neben tschechoslowakischen Philatelisten auch mehr als dreißig Gäste aus dem Ausland teilnahmen und es fand gleichfalls eine Tagung der Fachkommissionen der FIP statt.

Einen Tag vor der Eröffnung der Ausstellung PRAGA 1988 (28. 8. 1988) wurde das Postmuseum - Museum für Briefmarken im Vávra-Haus - feierlich eröffnet. Das Vávra-Haus ist ein komplett rekonstruiertes, ursprünglich mittelalterliches, in den letzten Jahrhunderten mehrere Male umgebautes Objekt unweit der Moldau, das durch seine Wandmalereien im ersten Stock aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von Josef Navrátil bekannt ist.

Leider war die Produktion von Briefmarken, Druckblättern, Blöcken und auch Postganzsachen im Zusammenhang mit der Ausstellung PRAGA 1988 allzu reichhaltig. Es wurden 23 Briefmarken, 20 Druckblätter in Blockgestaltung, 9 Blöcke, 16 Umschläge für den ersten Tag, 1 Briefmarkenheftchen und 18 Sonderpostkarten herausgegeben.

Picture of Technical relics – Special counter sheet of stamps for the PRAGA 1988 World Stamp Exhibition

B. Housa: Technische Denkmäler – Sonderschalterblatt mit Briefmarken zur Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1988

 

Der Bezug einiger Ausstellungsblöcke und "Sonderdruckblätter" war an den Kupon der 20,- Kronen kostenden Eintrittskarte für Erwachsene gebunden. Somit beschafften sich auch diejenigen die Eintrittskarten im Vorverkauf (ab Anfang Juni), die nur die Blöcke wollten und überhaupt nicht vorhatten, die Ausstellung zu besuchen. Die Blöcke konnten noch bis Ende November abgeholt werden. Der Vertrieb einiger Ausstellungsmarken im sog. Neuigkeitenversanddienst war begrenzt. Kurzum: die großzügige Veranstaltung mit dem Etat von fast 52 Millionen Kès mussten die Philatelisten selbst bezahlen.

Einige Ausstellungsganzsachen mit einem relativ hohen Nominalwert der aufgedruckten Marke waren für den außerordentlichen postalischen Transport bestimmt – per Postkutsche, Ballon oder per Luftpost (unter anderem Grüße an die "befreundeten" Ausstellungen FINLANDIA '88 in Helsinki und BULGARIA '89 in Sofia).

Man darf sich nicht wundern, dass eine derartige Emissionstätigkeit und derart hohe Nominalwerte eine ganze Reihe von Philatelisten, gelinde gesagt, nicht gerade erfreuten und dass dies auch einer der Gründe war, warum die Anzahl der Mitglieder im Verband der tschechoslowakischen Philatelisten zurückgegangen ist.

Eine Menge von Ausstellungssonderstempeln (insgesamt 27 Arten) wurden an 25 Sonderpostschaltern in allen Ausstellungsräumen eingesetzt. Außerdem kamen die Sonderstempel im Zusammenhang mit der Ausstellung PRAGA 1988 auch im Kongresszentrum (damals Kulturpalast) beim 57. FIP-Kongress, der an die Ausstellung anschloss und im Nationalen Technikmuseum beim Kongress des Internationalen Verbands der Verkehrs- und Postmuseen auch außerhalb von Prag zum Einsatz (im Zusammenhang mit dem Sondertransport der Post für die Ausstellung). Die geschätzte Anzahl der abgefertigten Sendungen und verschiedenen Souvenirs übersteig 1,5 Millionen Stück.

Picture of Commemorative postal stationery for the exhibitions Finlandia 1988 and PRAGA 1988

A. Fuchs: Sonderpostkarte zur Ausstellung Finlandia 1988 und PRAGA 1988

 

Wenn wir noch das philatelistische Material hinzuzählen, mit dem die PRAGA 1988 in fast zwei Dutzend Ländern begrüßt wurde, dann müssen wir feststellen, dass die philatelistische Dokumentation dieser Ausstellung tatsächlich außerordentlich reich war.

Der Ausstellungskatalog der PRAGA 1988 umfasste eine ganze Reihe von auf die Philatelie ausgerichteten Fachtexten. Ein eigenständiger Katalog wurde zur Ausstellung Kunst und Briefmarken herausgegeben. Anlässlich der Ausstellung PRAGA 1988 wurde auch die Publikation Tschechoslowakische Philatelie veröffentlicht, die die Geschichte der organisierten Philateliebewegung in der Tschechoslowakei und die General- und Fachbereichsordnung des Tschechischen Philatelistenverbandes für die Errichtung und Bewertung von Exponaten beinhaltete. Ungefähr die Hälfte dieses Buchs wird vom Teil Philatelistische Basisterminologie gebildet, wobei es sich um ein reich illustriertes philatelistisches erklärendes Wörterbuch handelt. Grundlegende Bedeutung für die breite Öffentlichkeit hatte das Spezialhandbuch für Sammler von tschechoslowakischen Briefmarken und Ganzsachen, dessen Herausgabe zeitlich ebenfalls mit der Ausstellung PRAGA 1988 abgestimmt war.

Nach der Ausstellung fand vom 5. bis 7. 9. 1988 in Prag der 57. FIP-Kongress statt.

Ebenso wie zehn Jahre vorher wurde auch die Briefmarkenweltausstellung PRAGA 1988 mit einer Show von ausgewählten Exponaten abgeschlossen, die im Oktober 1989 in Bratislava stattfand.

 

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